18 and alive Blogbuch – GangAufSchalke 15.11.2011

15 Nov

Mahlzeit!

 

Begrüßungsformel par excellence. Geht zu jeder Tages- und Nachtzeit. Man weiß ja nie, wann man selber Schicht hat und wer da alles auf Schicht ist. Mahlzeit ist quasi international. Mit einem Prost davor allerdings mit Vorsicht zu genießen! Doch das will ich  jetzt nicht ausphilosophieren.

 

Der Thematik ist heute: Meine Flunken. ………………………………………………………………………… alles was hier steht wurde von der Blogpolizei in Persona Kommissar Schmolle entfernt. FSK Gefährdung. Ihr könnt euch datt Foto/die Fotos antun. Ihr seid jetzt ja Härte gewohnt. Und ich muß die „Fieberkurve“ ja bei gefühlten 5,x Personen oder so oben halten. Quasi der Meute was zum Fraß oder Perlen vor die Säue schmeißen. Allso tu ich die mal bei flickr mit bei!

Grobe Richtung, welche karitative Einrichtung von mir den Zuschlag erhält, wird eine sein, die einen therapeutischen Ansatz pflegt, abseits des medikamentösen Weges – so ist zumindest Stand jetzt. Der medikamentöse Weg bei Migräne ist allerdings der erste Ansatz überhaupt, den man als Migräniker, der noch nicht in Behandlung ist, einschlagen muß (wie gesagt meine Meinung). Denn ohne wirds nicht gehen. Migräne mag zwar von selber kommen (das tut sie zwar nicht, da gibts n gewissen Vorlauf, aber den bekommt man evtl. nicht mit) doch sie geht nicht von selbst. Oder nur in seltenen Fällen (z.B. bei Frauen, wenn sie die Menopause erreichen bzw. bei Kndern, bei Erreichen der Pubertät) warum das so ist ist noch nicht erwiesen.

Wenn denn ein Akut Mittel neben einer Prophylaxe adäquat angeschlagen hat (eine Prophylaxe kann mit unterschiedlichen „Mitteln“ erfolgen, das sollte man a) unbedingt machen und b) mit einem Neurologen besprechen) dann sollte man mE. unbedingt einen psychosomatischen Ansatz einschlagen, der einem hilft, wieder ein Leben zu finden, das man mit Migräne führen kann, und das auch  Lebensfreude, Spass und Happiness beinhaltet.

Durch Migräne bahnen sich eher düstere Gedanken in einem Bahn: Was passiert, wenn ich da jetzt bin und ich bekomme Migräne? Ohne meine Pillen gehe ich nicht aus dem Haus! Wenn ich das futtere oder saufe, dann muß ich vorsichtig sein, da kriege ich… oh, heute wieder so löhmeriges Wetter, da schlägt doch… usw.usf. man hat Migräne und langsam aber sicher wird sie zur selffulfilling prophecy. Dieser Teufelskreis muß mögichst unterbrochen werden.

Klar muß man am Leben teilnehmen, Sport machen, Freizeit haben, auch arbeiten, Familienzeit etc.pp. – als Migräniker allerdings muß man dies ein Stückweit mehr ordnen als „normale“ Leute. Und die Dosis muß  reduziert werden.

Muß jede Party bis zum „bitteren Ende“ mitgenommen werden? Was kann man seinen Kindern altersabhängig zumuten, damit sie a) selbständiger werden und b) sich damit selber entlasten, hat man geregelte Arbeitszeiten – hält man auch die Arbeitspausen ein? Wie ists mit dem Schlafen – gibts eine Regelmäßigkeit oder legt man sich mal so mal so hin? Verträglichkeit von Genußmittel ist zu überprüfen.  Wird regelmäßig gegessen? Wie sind die Portionen? Wie ist das Essen gewürzt, wie heiß ist es zubereitet?

Man glaubt nicht, was alles beachtet werden kann und muß und das bekommt man in einer Reha dann gut an die Hand gegeben und kann sich selber „das so basteln“ wie man es braucht. Ein Stückweit Zwang wird immer geben – dann ist es sinnvoll, sich bewußt einen gewissen Rückzug zu nehmen. Denn psychologisch und physisch gesehen wird die Migräne unter anderem deswegen ausgelöst, weil man überlastet ist, sie ist eine Art Stressabbauprogramm.  Viele Migräniker haben ihre Migräne nur (ausgerechnet!) am Wochenende – weil da endlich der Körper und Geist zur Ruhe kommt, gewisse Botenstoffe nicht in dem Maße fließen wie sonst, reagiert der Körper dann (quasi falsch verstanden) darauf mit Extremkopfschmerzen, die ein Erschöpfungssyndrom des ganzen Körpers herbeiführen. Licht, Geräusch und Geschmacksüberempfindlichkeiten gehen damit einher, sowie Brechreiz.

Literarisch ist das von Edgar Allen Poe in „Der Untergang des Hauses Usher“ beschrieben. Poe selber war Migräniker und hatte derart starke anfälle, das er glaubte sie nur mit Alkohol betäuben zu können. Damals sprach man noch von „nervösen leiden“.

Viele Migräniker arbeiten eher zuviel und die Folge einer chronischen Migräne sind entweder Burn out – diese Menschen finden heraus, daß der Körper „gut“ darauf reagiert, wenn man auch am Wochenende arbeitet und generell eher viel. Nur irgendwann „holt sich der Körper sein Recht“ und man bekommt „irgendwas“ und dann hat man den „Burn Out“ an der Backe – temporäres Erschöpfungssyndrom manchmal sogar dauerhaft. Daraus kann eine Depression erwachsen. Wegen der „fiesen“ Gedanken an die extrem schmerzhaften Attacken z.B. hat man irgendwann nur noch düstere Gedanken.

Deswegen ist ein thearapeutischer Ansatz auch vonnöten – und das ist keine Schwäche. Das ist eher Stärke.

Der Migräniker, der Stressituationen meidet, weil genau die bei ihm Migräne auslöst wird zum „boring out“ Fall. Irgendwann macht man nur noch das nötigste und selbst geringe Anstrengungen sind schon schwierig oder nicht mehr zu meistern. Und das betrifft bald auch banale Dinge wie Haushalt führen, Garten machen oder ähnliches. Der Mensch hat sich an seine Krankheit so angepasst, daß er alles vorschützt, um ja nicht wieder eine Migräneattacke zu bekommen. Die Schutzhaltung erzeugt allerdings Migräne, da schon kleine Anstrengungen ausreichen, um einen anfall zu bekommen.

Hier ist die Krankheit soweit fortgeschritten, das wahrscheinlich ohne Therapie keine Rückführung zu einem „normalem Leben“ mehr möglich ist.

So. Unter Vorbehalt meines Wissens über Migräne, das kein ärztliches ist, allerdings Eigenerfahrung habe ich dieses mal hingeschrieben. Als Einblick für all diejenigen, die nur ungefähr wissen, wie Migräne wirkt aber auch für jene, die Migräne haben und nicht so recht wissen was hilft.

Verteufelung von Medikamenten und Psychotherapie sollte man tunlichst lassen – beides hilft wieder auf dem Weg ins Leben zurück bzw. dazu, ein wieder halbwegs lebenswertes Leben zu führen. Ich weiß wovon ich spreche.

 

Bis morgen!

 

Schmolle